Ver- und Entsorgung

    1. Ostbayerisches Energieforum Regensburg

    1. Ostbayerisches Energieforum Regensburg

    Fachbereich Ver- und Entsorgung

    ver.di Bezirke Niederbayern und Oberpfalz - 1. Ostbayerisches Energieforum Regensburg

    Rund 50 Betriebs- und Personalräte sowie VertreterInnen aus der (Kommunal-) Politik waren am Mittwoch, den 21. Oktober 2015 der Einladung zur Kooperationsveranstaltung der REWAG sowie der ver.di Bezirke Niederbayern und Oberpfalz zum 1. Ostbayerischen Energieforum Regensburg in das Casino der Regensburger Energie und Wasserversorgung AG und Co KG (REWAG) gefolgt, um den aktuellen Stand der Energiewende in Bayern aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten.

    Dipl.-Ökonom Olaf Hermes (Vorstandsvorsitzender der REWAG) zeigte eindrücklich die aktuellen Herausforderungen für Unternehmen der Energiewirtschaft angesichts der politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auf. Strukturwandel in der Bayerischen Stromerzeugung mit den Stichworten Kernenergieausstieg, Umstieg auf regenerative Energien wie Photovoltaik und Windkraft seit der sogenannten 10H-Regel, die Rolle und Zukunft der Biomasse bzw. Biogasanlagen, Notwendigkeit der Stromtrassen und die vorrangige Erdverkabelung der umstrittenen Stromautobahnen „Südlink“ und Gleichstrompassage „Süd-Ost“ sowie Strom aus Kraft-Wärme-Kopplung als festen Erzeugungsbaustein fanden in einer Kernaussage ihren wesentlichen Ausdruck: „Ein breiter Mix aus kleinen, dezentralen Erzeugungseinheiten sowie konventionellen, zentralen Kraftwerken, die intelligent miteinander vernetzt sind wird das zukünftige Energieversorgungssystem darstellen.“ Hierzu sei ein umfassender Umbau der Verteilnetze erforderlich, welche vor der Energiewende auf die Verteilung von zentral erzeugtem Strom in Großkraftwerken ausgelegt waren und künftig z. B. Photovoltaik-Strom aus einer Vielzahl kleiner und großer Anlagen aufnehmen müssen.

    Hermes beleuchtete auch die bereits im Umbruch befindliche Digitalisierung der Arbeitswelt mit Auswirkungen auf künftiges Geschäft der Energieversorgungs- und –dienstleistungsunternehmen aber auch neue Unternehmenskultur sowie die qualitativen und quantitativen Anforderungen an die Belegschaften.  

    Zum Thema „Der Blick der Landgemeinden auf die Energiepolitik“ nahm Direktor Stefan Graf für den Bayerischen Gemeindetag in München in das Blickfeld. Dabei stehe der Bayerische Gemeindetag als Spitzenverband für die Interessen der kreisangehörigen Städte und Gemeinden ein. Am Beispiel der Stromkonzessionen machte er den Zielkonflikt deutlich, wenn eine Kommune sich für den eigenen Betrieb eines Stromnetzes entscheidet und die möglichen Folgen für die Netzkosten der umliegenden Kommunen, welche bisher in gemeinsamen Netzgebieten aller Umlandgemeinden mit künftig höheren Preisen zu rechnen haben. Auch die 10H-Regelung bedeute für eine Vielzahl von Kommunen den Ausstieg aus dem ursprünglichen Ansinnen ausdrücklich in Windkraft zu investieren und beispielsweise mit Bürgermodellen eine breite Akzeptanz in den Regionen zu fördern.

    Hartmut Veitengruber (Geschäftsführer ver.di Bezirk Niederbayern) nahm aus Sicht der Gewerkschaft ver.di zur Energiewende Stellung. „Viele Energieversorgungsunternehmen können und wollen aktiv in Netze und (zentrale sowie dezentrale) Erzeugung investieren. Damit wären auch die Arbeitsplätze der Beschäftigten gesichert und es könnten moderat sogar neue geschaffen werden.“ Das zentrale Problem sei jedoch, dass sie hierfür verlässliche und konsistente Rahmenbedingungen für die nötigen Investitionsentscheidungen benötigten, woran es ziemlich hapert. Neben einem Kapazitätsmarkt für redundante Sicherstellung der Versorgungssicherheit im Hinblick auf die in der Regel volatilen erneuerbaren Energien fordere ver.di in Sachen Netzregulierung u. a. die Personalkosten als nicht beeinflussbare Kosten festzuschreiben. Diese obliegen der im Grundgesetz verbrieften Verhandlungsfreiheit zwischen den Tarifparteien. Darüber hinaus sei es notwendig, den direkten Rückbau im Bereich der Kernenergie gesetzlich vorzuschreiben, damit Unsicherheit der Beschäftigten in der Kernenergie über die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes beendet und gleichzeitig maximale Sicherheit hergestellt werde. Dabei sei die Endlagerfrage in Deutschland schnellstmöglich zu lösen.

    In der anschließenden Diskussionsrunde warfen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer moderiert von Alexander Gröbner (Geschäftsführer ver.di Bezirk Oberpfalz) ihre Fragen aus dem betrieblichen Kontext auf und machten deutlich, dass gerade die Beschäftigten in der Energiewirtschaft ein Garant für Versorgungssicherheit und bezahlbaren Strom in der Vergangenheit waren. Dies wollen sie auch in Zukunft sein, deshalb müssen sie auch in konkrete Konzepte eingebunden werden. Gröbner warb dafür, einen Masterplan zwischen allen Beteiligten und verantwortlichen in Politik und Gesellschaft zu entwickeln, um bereits bisher erkannte und künftig vorprogrammierte Fehlsteuerungen in der Energiewende in Deutschland zu vermeiden und die Energiewende auf der Grundlage des gesellschaftlichen Konsens, z. B. zum Atomausstieg, erfolgreich zum Ziel zu führen.

    . Alexander Gröbner 1. Ostbayerisches Energieforum
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