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    ver.di Ortsverein Regensburg ehrte am 17.11.2017 über 100 Jubilare …

    Ortsverein Regensburg

    ver.di Ortsverein Regensburg ehrte am 17.11.2017 über 100 Jubilare

    Zu Beginn der Veranstaltung im Gewerkschaftshaus dankte der stellvertretende ver.di Ortsvorsitzende Claus Kiesewalter den über 100 Jubilarinnen und Jubilaren für ihre 25, 40, 50, 60, 65 und 70 jährige Treue zur Gewerkschaft.

    Die Jubilarrednerin Irene Salberg, ehemalige stellvertretende Bezirksgeschäftsführerin von ver.di Oberpfalz, blickte in ihrer Rede zurück auf die Jahre, als die Jubilarinnen und Jubilare Gewerkschaftsmitglied wurden.

    Damals, vor 70 Jahren schworen sich die Gewerkschafter der ersten Stunde “nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg”. Bereits 1948 kämpften 9 Millionen Arbeitnehmer im 1. Generalstreik der neuen Republik gegen Preissteigerung bei gleichzeitigem Lohnstopp. “schon damals bezogen die Arbeitgeber ihren “Herr im Haus – Standpunkt” “, so Salberg.

    In den 60er Jahren waren bereits Automatisierung mit darauffolgender Rationalisierung, aber auch Bildungsnotstand, Notstandsgesetze und Vietnamkrieg dominierende Themen.

    Ab Mitte der 70er Jahre besserte sich das soziale Klima, sicherlich hatte die Wahl von Willi Brandt einen Anteil daran. Die Gewerkschaften hatten immensen Zulauf. Erkämpft wurde z.B. der Einstieg in das 13. Monatsgehalt und die Verlängerung des Urlaubs. Als die in der IG Druck und Papier organisierten Arbeitnehmer für Arbeitszeitverkürzung streikten, reagierten die Arbeitgeber – erstmals in der Geschichte - mit Aussperrung. Trotz aller Widrigkeiten ging der Kampf der Arbeiter weiter bis zur Tarifierung von Verkürzung der Arbeitszeit.

    Sie ging in ihrer Rede auf Kämpfe der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen im öffentlichen Dienst, bei Post und Telekom und insbesondere im Bereich der Krankenpflege ein. "Die Pflegeberufe werden unwürdig bezahlt und die Arbeitsbedingungen sind oftmals untragbar“, so Salberg.

    Sie stellte dann die Frage, was denn inzwischen aus unserer Republik geworden sei. “Wir sind im Vergleich der Nettolöhne die "Letzten" in Alteuropa. Beim Zuwachs von Prekärbeschäftigung sind wir aber die Nummer eins in Europa. Dies gilt auch beim Zuwachs der Millionäre und Milliardäre. Der Unterschied zwischen Arm und Reich sei alarmierend und noch nie so krass wie zur Zeit". Irene Salberg forderte eine andere Steuerpolitik, wonach z.B. nach Wiederanwendung der Vermögenssteuer Deutschland gerechter werden könnte. “Geld ist genug da, es ist nur falsch verteilt”, so Salberg.

    Sie stellte die Einhaltung des Grundgesetzes “alle Macht geht vom Volke aus” in Frage, z.B: bei der Einführung der Rente mit 67, der Einführung von Hartz 4, bei der Stützung maroder Banken mit über 50 Milliarden Euro ect. Dies alles trotz der entschiedenen Ablehnung der Mehrheit des Volkes.

    Salberg schwenkte in ihrem Referat über auf die Probleme in den Betrieben und Verwaltungen. Sie spricht von Arbeitsverdichtung, Burnout, Mobbing, Outsourcing, Tarifflucht. Auch die Angst vor Kündigung und Hartz 4 sei täglich präsent.

    “Je mehr Mitglieder wir sind, je mehr wir kämpfen, desto mehr können wir erreichen”, resümierte sie, rückblickend auf die gewerkschaftlichen Erfolge der letzten 70 Jahre und die Notwendig sich wieder darauf zu besinnen."

    Salberg schloss ihr Referat mit nochmaligem Dank an die Jubilare für ihre Treue zur Gewerkschaft und zitierte Bert Brecht: “… wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren.“