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    biwifo Report (02/2016)
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    Arbeit droht durch Digitalisierung immer weiter auszuufern.

    Editorial | Rasante Neuerungen

    Aldous Huxley sagte einmal: „Der Mensch von heute hat nur ein wirklich neues Laster erfunden: Die Geschwindigkeit".

    Ist das so? Ist Geschwindigkeit ein Laster, oder kommt es uns nur so vor, weil wir um - wälzende Entwicklungen in kurzer Zeit erleben? Ich bin 45 Jahre alt und damit sicher kein Urgestein. Allerdings fühlt es sich manchmal so an, weil ich aus einer analogen Welt komme mit echten Ladenschlusszeiten – ohne Handy, Internet, digitales Fernsehen. Das schnellste Medium in meiner frühen Berufstätigkeit war ein Fax. Soziale Netzwerke gab es nur physisch, also mit Menschen, die man bereits kannte. Heute können wir uns das kaum noch vorstellen.

    Auch ich habe manchmal Verhaltensmuster, als wäre das Handy ein Körperteil. Wir sind es gewohnt, alles jederzeit weltweit kaufen zu können. Online. Die Software auf dem Tablet wird sechs mal pro Jahr upgedatet. Völlig normal. Das Licht und die Heizung per Smartphone steuern oder das Baby überwachen – viele kennen diesen Fortschritt. Digitalisierung ist also kein neues Thema, das wie ein 25-bändiger Brockhaus gewichtig um die Ecke kommt. Wir stecken mittendrin. Neu sind nur die Chancen und Risiken.

    Maschinen werden manchen Menschen mit Handicap ermöglichen zu arbeiten, denen das bisher verwehrt war. Zugleich wird die Technik Arbeitsplätze vernichten, mindestens verändern. Hier gilt es genau hinzusehen. Nicht alles was geht, muss gemacht werden. Unserer Gesellschaft tun kollektive freie Tage wie Sonnund Feiertage gut. Nur weil wir nachts E-Mails checken können, müssen wir das nicht auch tun.

    Was wir brauchen sind Grenzen, die Arbeitnehmer*innen vor Ausbeutung schützen. Dazu müssen die Arbeitsschutzgesetze überarbeitet werden. Die kommen nämlich auch noch aus analoger Zeit. Da gab es acht Stunden Arbeit und danach Ruhezeit. Keine Mails, kein Handy. Ist das heute noch zeitgemäß? Nicht für alle. Aber Schutzregeln brauchen wir trotzdem, sonst kommen wir nie mehr zur Ruhe. Wir müssen schleunigst entschleunigen.

    Ute Kittel