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    Kein Einspringen aus dem „Frei“ - Beschäftigte am Universitätsklinikum bestehen auf planbare Freizeit

    Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat zu dieser Aktion aufgerufen. Die Personaldecke in den meisten Krankenhäusern ist so knapp bemessen, dass das sogenannte „Einspringen aus dem Frei“ zum Alltag im Pflegebereich geworden ist.

    Einfordern der arbeitsvertraglichen Rechte auf planbare Arbeitszeit und damit auch Freizeit und gegen Überlastung im Krankenhaus – das ist das Ziel der bundesweiten Aktion „Grenzen setzen“ vom 23. Oktober bis 27.  Oktober 2017, an der sich auch Beschäftigte des Uniklinikums Regensburg beteiligen.

    Die Gewerkschaft ver.di möchte damit ihrer Forderung nach einer gesetzlichen Personalbemessung im Krankenhaus während der Zeit der Koalitionsgespräche besonderen Nachdruck verleihen. „Wir möchten, dass die Politik nicht nur verbal ständig wiederholt, dass sich im Pflegebereich etwas tun muss, aber seit Jahren drückt sich der Gesetzgeber darum, eine gesetzliche Personalbemessung zu beschließen“, so Klaus Heyert, zuständig bei der Gewerkschaft ver.di für das Gesundheitswesen.

    Stationsteams aus Krankenhäusern in ganz Deutschland werden an diesen Tagen demonstrativ nicht einspringen, Pausen einfordern, Überstunden verweigern, kurz: die ständigen Eingriffe in ihre Zeit- und Lebensplanung verweigern.

    Am Uniklinikum Regensburg werden sich folgende Stationen an der Aktion beteiligen, in dem sie nicht aus dem Frei einspringen:

    • am 24. und 25. Oktober die Stationen 50/51 (HNO) und 58/59 (Neurochirurgie)
    • am 25. und 26. Oktober die Stationen 14/15 (Innere Medizin) und 52/53 (Dermatologie)

    Die Gewerkschaft ver.di hat den Arbeitgeber rechtzeitig informiert, so dass entsprechend Vorsorge getroffen werden kann.

    „Die knappe personelle Situation führt ständig zu Änderungen des eigentlich verbindlichen Dienstplanes; planbare Freizeit in der Pflege ist daher sehr schwierig. Darunter leiden nicht nur soziale Kontakte, sondern auch die Gesundheit“, so Anita Wehling, Pflegekraft und Personalratin am Universitätsklinikum.

    Eine planbare Freizeit ist im Pflegebereich die Ausnahme. Häufig kommt es zu Dienstplanänderungen. „Es kann nicht sein, dass die Beschäftigten tagtäglich Leidtragende dieser Situation werden. Es muss verbindliche Regeln für die Personalausstattungen in den Krankenhäusern geben, die dazu führen, dass der Beruf wieder attraktiver wird“, meint dazu Falk Riebschläger, Beschäftigter und Personalrat am Universitätsklinikum.         

    Die Beschäftigten fühlen sich aus ihrem Berufsethos heraus verpflichtet, einzuspringen und auf ihre Pausen zu verzichten. „Sie wollen die Patientinnen und Patienten, vor allem aber auch ihre Kolleginnen und Kollegen nicht hängen lassen“, so Reinhard Steiner, ver.di Vertreter am Klinikum und Personalrat, „aber der Personalmangel kann nicht auf Dauer durch individuelles Engagement aufgefangen werden. Berufsflucht und Ausgebranntsein sind oft die Folgen dieses persönlichen Einsatzes.“

    Bundesweit fehlen nach einer ver.di-Erhebung für eine sichere und gute Versorgung 162.000 Stellen in Krankenhäusern, allein 70.000 Stellen für Pflegefachkräfte.

    Ver.di fordert daher neben einer gesetzlichen Personalbemessung ein Sofortprogramm für die Krankenhäuser mit 20000 zusätzlichen Stellen und der entsprechenden Finanzierung.

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