Nachrichten

    Rente muss zum Leben reichen

    Ortsverein Sulzbach-Rosenberg

    Rente muss zum Leben reichen

    Rente muss zum Leben reichen ver.di Rente muss zum Leben reichen  – Diskussionsveranstaltung des Ortsverein Sulzbach-Rosenberg am 23.05.2017 in Sulzbach-Rosenberg

    "Die Zunahme des Niedriglohnsektors, mit der Folge geringerer Beitragszahlungen, ist verantwortlich für die Kürzung der Renten", resümierte bei einer Veranstaltung des verd.i-Ortsverein im Bayerischen Hof der stellvertretende Bezirksvorsitzende der Oberpfalz Stefan Dietl. In seinen Ausführungen präsentierte der Referent die Forderungen des DGB und der Parteien zur Rentenpolitik. Zuvor wies der Ortsvorsitzende Manfred Weiß auf die ständig steigende Altersarmut hin, bedingt durch das Absenken der Renten.

    Das Rentenniveau, das 2000 noch bei 52,9 Prozent des letzten Bruttolohnes lag, betrug 2015 nur noch 47,7 Prozent. Prognosen zufolge, werde es bis 2045 auf 41,6 Prozent weiter sinken. Während 2005 10,3 Prozent der über 65-jährigen vom Altersarmut betroffen waren, sind dies heute schon 15,5 Prozent. In Bayern, laut Horst Seehofer, der "Vorstufe zum Paradies" sind dies 17 Prozent, bei den Frauen 19,3 Prozent, wobei deren Durchschnittsrente bei 500 Euro liegt. Bundesweit beziehen inzwischen mehr als eine Million Ruheständler Grundsicherung, 2003 waren es noch 400 000. "Die ersten Auswirkungen der Agendapolitik von rot-grün machen sich bemerkbar", erläuterte Dietl.

    Der DGB setze sich dafür ein, als ersten Schritt das Rentenniveu auf dem derzeitigen Stand zu stabilisieren und danach es auf 50 Prozent anzuheben. Leistungen, die nicht direkt mit den Rentenkassen in Verbindung stehen wie beispielsweise die Mütterrente, dürfen nicht aus diesen Kassen, sondern sollten aus Steuermitteln finanziert werden. Eine deutliche Erhöhung der der Erwerbsminderungsrente fordert der DGB ebenfalls.

    Maßnahmen für Beschäftigte, die aus gesundheitlichen Gründen aus dem Arbeitsleben ausscheiden und keine Erwerbsminderungsrente zusteht, benötigen zusätzliche finanzielle Unterstützung. Weitere gewerkschaftliche Forderungen beeinhalten bessere Altersteilmodelle, bei niedrigen Löhnen einen Rentenausgleich, und eine Reduzierung prekärer Beschäftigungsverhältnisse. Leider werde bei diesem Konzept die Forderung nach einer drastischen Erhöhung der Löhnen, die sich auch bei den Renten positiv auswirken würde, nicht der notwendige Stellenwert eingeräumt. "Nur steigende Löhnen stoppen die Abwärtsspirale bei den Renten", betonte Stefan Dietl.

    Die ersten Auswirkungen der Agendapolitik von rot-grün machen sich bemerkbar. Nur steigende Löhnen stoppen die Abwärtsspirale bei den Renten.

    Stefan Dietl

    Im Zentrum des Konzepts der Sozialministerin Andrea Nahles, stehe das Prinzip der doppelten Haltelinie bei der Rentenentwicklung. Danach solle das Rentenniveau von 46 Prozent festgeschrieben und die Rentenbeiträge bei 2030 auf maximal 22 Prozent und bis 2045 auf 25 Prozent des Bruttoeinkommens begrenzt werden. Als weiterer Baustein solle eine Solidarrente für alle eingeführt werden, die mehr als 35 Beitragsjahre nachweisen können, deren Rente jedoch unterhalb der Grundsicherung liege. Laut des CDU-Finanzexperten Jens Span und anderer Unionspolitiker gäbe es überhaupt keine Altersarmut, stattdessen sollte man über eine Rentenerhöhung des Renteneintrittsalters auf 69 und höher nachdenken. Die CSU fordere eine Erhöhung der Mütterrente und Stärkung der Riesterrente.

    Die Antwort der FDP, die lange Zeit Altersarmut leugnete, bestehe vor allem in einer Stärkung der privaten Vorsorge, was sich aber viele Menschen finanziell nicht leisten können. Neben einer gesetzlichen Garantierente von 850 Jahren nach 30 Versicherungsjahren, setzen die Grünen zusätzlich ebenfalls auf die private Vorsorge. Basis des Rentenkonzepts der Linkspartei ist unter anderem eine Anhebung des Mindestlohnes, die Einbeziehung aller Erwerbstätigen in die gesetzliche Rentenkasse, die stärkere Beteiligung der Arbeitgeber und die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen nicht aus den Rentenkassen, sondern aus Steuermitteln. Langfristig setze die AfD auf den Komplettumbau der Rente. An die Stelle gesetztlicher Leistungen solle die private Vorsorge oder die Absicherung durch die Familie treten.Das Renteneintrittsalter solle sich künftig an der durchschnittlichen Lebenserwartung orientieren.

    "Die Zunahme des Niedrigsektors, mit der Folge geringerer Beitragszahlunen, ist für die Kürzung der Renten verantwortlich, resümierte der Referent. Es werde nicht aufgrund von wenigeren Beitragszahlern zu wenig in die Rentenkasse eingezahlt, sondern wegen der katastrophal niedrigen Löhnen.