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    Kluft zwischen Recht und Realität

    Postdienste, Speditionen und Logistik

    Kluft zwischen Recht und Realität

    Magazin bewegen (05/2016)
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    Arbeitsbedingungen europäischer Fahrer

    Der Arbeitsvertrag ist in Handewitt bei Flensburg ausgestellt. Ein polnischer Lkw-Fahrer sollte damit ab April 2016 beim deutschen Ableger einer dänischen Transportfirma tätig werden. Ein Arbeitsort ist nicht genannt. Es gibt in dem Papier, das der Redaktion vorliegt, handschriftliche Eintragungen mit dem Zusatz, dass der Beschäftigte die Lohnsteuer selbst entrichten soll. Wenn der Kollege das akzeptiert, spart der Arbeitgeber nicht nur regelmäßig Lohnkosten, sondern auch Krankenversicherung und Steuern. Kürzlich berichtete der WDR in einer Reportage über die unsäglichen Arbeitsbedingungen osteuropäischer Sprinterfahrer, die bei Subunternehmen der Deutschen Post AG arbeiten. Sie wohnen im Sprinter, schlafen dort, gekocht wird auf der Ladefläche. Sie leben in Deutschland als moderne Nomaden. Die Reporter recherchierten, dass sie in ihrem Heimatland für umgerechnet 300 Euro imMonat angestellt werden. Auch hier klaffen Recht und Realität weit auseinander.

    Man findet sie auf jedem Rastplatz, an Verladerampen und auf Autobahnen, die Fahrer von Lkw und Sprintern, die Kroatisch, Bulgarisch oder Polnisch sprechen. Ihre Arbeit für hiesige Speditionen ist mittlerweile keine Ausnahme mehr. Sie nutzen die Arbeitnehmerfreizügigkeit, also die Möglichkeit als EUBürger in einem anderen EU-Staat zu arbeiten. Sie arbeiten viel und erhoffen für sich und ihre Familien zu Hause ein besseres Leben. Doch oft bleibt das ein Traum. Für den deutschen Arbeitsmarkt gibt es die vollständige Freizügigkeit seit 1. Mai 2011 beziehungsweise für Arbeitnehmer aus Rumänien und aus Bulgarien erst seit 1. Januar 2014. Seither stellen deutsche Unternehmen Fahrer aus den jungen EU-Staaten ein. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Berufskraftfahrer aus diesen EU-Ländern wuchs zwischen dem Jahr 2012 und dem Jahr 2014 von über 42 000 auf über 58 000.

    Auch nehmen die Entsendungen zu, also dieMöglichkeit Arbeitskräfte, die in einemEU-Mitgliedsstaat angestellt sind, im Auftrag eines Arbeitgebers vorübergehend in einen anderen Mitgliedsstaat zu schicken. Eine Studie der EU-Kommission geht davon aus, dass die Gesamtzahl der nach Deutschland entsandten Beschäftigten seit 2008 um 40 Prozent gestiegen ist. Wissenschaftler errechneten aus Daten der Deutschen Rentenversicherung, dass es 2012 etwa 800 000 Entsendungen gegeben habe. Mobile Beschäftigte seien vorrangig im Baugewerbe, in der fleischverarbeitenden Industrie und in der Pflege tätig. [...]

     
    Weitere Themen in dieser Ausgabe:
    Arbeitsbedingungen europäischer Fahrer: Kluft zwischen Recht und Realität +++ Deutsche Post AG: Ein Jahr Tarifabschluss +++ DHL Delivery Gmbh: Gut beraten mit ver.di +++ Deutsche Post DHL: Wer Ausgebildete übernimmt gewinnt +++ Aktivitäten: DGB besucht DHL Hub Leipzig +++ Qualifikation der Berufskraftfahrer in der Anhörung +++ Nationale Konferenz Güterverkehr und Logistik +++ Neue Flächentarifverträge +++ Übung für die DHL Delivery Gesellschaften +++ Mehr Geld im Portemonnaie