Nachrichten

    Tarifverhandlungen beim BRK: ver.di fordert bessere Arbeits(zeit)bedingungen

    Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen

    Tarifverhandlungen beim BRK: ver.di fordert bessere Arbeits(zeit)bedingungen

    Vor mehr als zwei Jahren wurde der Manteltarifvertrag beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) gekündigt, und ebenso lange fordert ver.di für die Beschäftigten eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Trotz vieler wohlmeinender Bekundungen des Arbeitgebers BRK über die Notwendigkeit, die Belastungen der Mitarbeiter zu verringern, treten die Verhandlungen auf der Stelle. „Der Unmut der Beschäftigten wächst. Sie pendeln zwischen Resignation und innerer Kündigung einerseits und  neuer Aktions- und Konfliktbereitschaft andererseits“, berichtete Klaus Heyert, Fachsekretär von ver.di Oberpfalz zuständig  für Gesundheit und Soziales. Die Gewerkschaftsvertreter aus der Oberpfalz dringen nun auf Einsicht der Arbeitgeber bei der anstehenden Verhandlungsrunde am 24. Februar.

    „Die Arbeitsverdichtung im Rettungsdienst ist in den letzten Jahren drastisch gestiegen. Ein belegbarer Sachverhalt“, so Helmut Lehner, Mitglied der ver.di-Verhandlungskommission mit der BRK, „der zwar von niemandem bestritten, doch von den Verantwortlichen zum Teil ignoriert wird. Der Zeit- und Leistungsdruck und die damit einhergehenden psychischen und physischen Belastungen im Rettungsdienst nehmen  Jahr für Jahr zu.“

    Tarifverhandlungen beim BRK: ver.di fordert bessere Arbeits(zeit)bedingungen ver.di Tarifverhandlungen beim BRK: ver.di fordert bessere Arbeits(zeit)bedingungen  – Konferenzteilnehmer von links nach rechts: Martin Schwesinger (Mitglied der Tarifkommission BRK Bayern und beschäftigt im BRK Kreisverband Regensburg), Klaus Heyert (Gewerkschaftssekretär ver.di Oberpfalz und zuständig für das Gesundheitswesen), Renate Hirmer (Mitglied der Tarifkommission BRK Bayern und Mitglied der Verhandlungskommission; beschäftigt im BRK Kreisverband Regensburg) und Helmut Lehner (Mitglied der Tarifkommission BRK Bayern und Mitglied der Verhandlungskommission; beschäftigt im BRK Kreisverband Schwandorf)


    Die Gewerkschaft ver.di fordert daher den „Einstieg in den Ausstieg der 45 Stunden-Woche im Rettungsdienst“. Für ver.di steht außer Frage: Eine 45-Stunden-Woche ist unter Berücksichtigung der enormen Arbeitsverdichtung sowie der gestiegenen qualitativen Anforderung im Rettungsdienst nicht mehr zeitgemäß. Es sei daher auch kein Zufall, wie Heyert unterstrich, dass die Krankenstände deutlich oberhalb der Durchschnittswerte liegen und kaum ein Beschäftigter im Rettungsdienst die Regeleintrittsgrenze von 65 bzw. 67 Jahren erreicht.  
    ver.di zielt auf eine Arbeitszeitverkürzung in den Bereichen, die inklusiv Arbeitsbereitschaft 45 Stunden pro Woche arbeiten. „Die Belastungen sind durch die langen Arbeitszeiten von z. T. 45 Stunden in der Woche und die hohen Qualifikationsanforderungen durch die Hightech-Medizin in den Rettungsfahrzeugen deutlich gestiegen,“ so Martin Schwesinger aus seinen Erfahrungen im praktischen Einsatz., „insbesondere bei älteren Kolleginnen und Kollegen hinterlässt dieser Stress deutliche Spuren.“

    Zu den schwierigen Arbeitsbedingungen  in zahlreichen Einrichtungen der Altenpflege des BRK kommt hinzu, dass arbeitgeberseitige großzügig einer tariflichen Regelung genutzt wird, welche bei Einhaltung einer Zwei-Tage-Frist eine individuelle Anordnung von Arbeit ermöglicht. „Diese Regelung sollten als Ausnahmeregelung in Notsituationen dienen, gehört aber vielfach zum Standardrepertoire. Häufiges Einspringen und Dienstplanänderungen seien die Folge. Eine Planbarkeit von Dienst- und Freizeit ist für Beschäftigte in der Altenpflege oft unmöglich,“ so Renate Hirmer, die ebenfalls in der Verhandlungskommission von ver.di sitzt..
    Heyert geht davon aus, dass es auch von einem gesamtgesellschaftlichen Interesse ist, unter welchen Rahmenbedingungen die Beschäftigten beim BRK ihre Arbeit leisten müssen. Denn die Arbeitsbedingungen betreffen auch unmittelbar die zu versorgenden Patienten und deren Wohl. „Wer will sich im Notfall auf einen übermüdeten Rettungsassistenten oder Rettungssanitäter verlassen müssen? Wer möchte von einer gestressten und ausgepowerten Pflegekraft gepflegt werden? Die Antwort liegt auf der Hand – und jeder kann davon betroffen sein“, verdeutlichte Heyert.