Coronavirus/COVID-19

    Frauen in der Corona-Pandemie - zwischen prekärer Beschäftigung …

    Gewerkschaftliche Frauenkonferenz

    Frauen in der Corona-Pandemie - zwischen prekärer Beschäftigung und Systemrelevanz

    Corona hat das Leben in Deutschland verändert, in einer Art und Weise, die sich noch im letzten Jahr niemand hätte träumen lassen. Die Auswirkungen sind für alle spürbar. Ganz besonders belastet die Krise allerdings Frauen. Deshalb veranstalteten die Frauen des ver.di Bezirks Oberpfalz am 24. Juni 2020 eine virtuelle Frauenkonferenz, auf besondere Probleme von Frauen in der Corona-Krise in den Fokus zu rücken und einen Austausch zu ermöglichen.

    „Die Corona-Pandemie vergrößert gleichstellungs- und frauenpolitische Probleme, auf die wir seit Jahrzehnten hingewiesen haben.“, so Marina Mühlbauer, Gewerkschaftssekretärin im ver.di Bezirk Oberpfalz 

    „Diese Schieflage gibt es im beruflichen und privaten Umfeld. Angesichts der existenziellen Krise wird deutlich, welche Auswirkungen die seit Jahrzehnten gelebte Politik von Personalabbau und Privatisierung in sozialer öffentlicher Infrastruktur mit sich bringt“, so Mühlbauer weiter. 

    Gerade in den jetzt als systemrelevant erkannten Bereichen, wie dem Gesundheits- und Sozialwesen sowie dem Lebensmittelhandel, arbeiten überwiegend Frauen. „Die Krise macht deutlich, wie wichtig viele „typische Frauenberufe“ für das Funktionieren unseres Alltags sind.“, so Katja Ertl vom Deutschen Gewerkschaftsbund. Im krassen Gegensatz dazu steht jedoch, wie wenig Wertschätzung Mitarbeiterinnen in diesen Branchen oft entgegengebracht wird. 

    „Gesellschaftlich notwendige Arbeit muss jetzt und für die Zukunft neu bewertet werden. Seit Jahren haben wir immer wieder auf den Personalmangel und die Überlastung unter anderem in den Pflegeberufen aufmerksam gemacht, bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Bezahlung in diesen Branchen gefordert.“ so die Ertl.

    Auch im privaten Umfeld zeigt sich in vielen Haushalten, dass bei geschlossenen Kitas und Schulen die Betreuung der Kinder überproportional auf Frauen-Schultern lastet. 

    Ohnehin arbeiten Frauen wesentlich häufiger in Teilzeit – teils auch unfreiwillig, denn der Wiedereinstieg in die Vollzeitarbeit funktioniert nicht immer. „Das ist auch ein Faktor für die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen. Wenn es jetzt in der Krise dann wieder die Frauen sind, die ihre Arbeitszeit reduzieren, verschärft das das Problem der Altersarmut in der Zukunft nur noch weiter.“, warnt Katja Ertl vom DGB Oberpfalz in ihrem Referat.

    „Die Bedingungen der Corona-Pandemie wirken wie ein Brennglas für die Probleme, die wir seit Jahren thematisieren. Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, endlich durch mutiges, sachbezogenes und schnelles Handeln, Lösungen zu schaffen und eine Rolle rückwärts zu verhindern“, so Elisabeth Rauch, Vorsitzende des Bezirksfrauenrats der Gewerkschaft ver.di in der Oberpfalz.

    Der ver.di Bezirk Oberpfalz will Arbeitgeber, aber auch die Politik sensibilisieren: Applaus allein reicht nicht aus! Neben gleicher Bezahlung für gleichwertige Arbeit wäre ein Schlüssel zur Gleichberechtigung eine ordentliche Tarifbindung, die Abschaffung von benachteiligenden Sonderregelungen für geringfügig Beschäftigte, eine bessere Abstimmung von Steuer-, Sozial- und Familienleistungen und die Schaffung von Rahmenbedingungen und Arbeitszeiten, die eine gerechte Aufteilung der Sorgearbeit innerhalb der Familie ermöglichen. 

    „Finden wir keine tragfähigen Lösungen, wird die Krise zur Gefahr für die Gleichstellung und Frauen werden die Verliererinnen der Krise sein.“ fasst Alexander Gröbner, Geschäftsführer des ver.di Bezirks Oberpfalz die Brisanz des Themas zusammen.

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