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    Ortsverein ehrte langjährige Mitglieder

    Ortsverein Regensburg

    Ortsverein ehrte langjährige Mitglieder

    ver.di macht sich trotz vieler Erfolge Sorgen um die schwindende Tarifbindung in Bayern

    Der ver.di Ortsverein Regensburg konnte in seiner jährlichen Jubilarehrung im Gewerkschaftshaus in Regensburg 97 zu Ehrende begrüßen. Geehrt wurde für 25 Jahre, 40 Jahre, 50 Jahre, 60 Jahre und 65 Jahre Mitgliedschaft. Die zwei zu Ehrenden mit 70 Jahre Mitgliedschaft hatten sich entschuldigt.

    Ottmar Kronschnabl, der den Ortsverein vertritt, hinterfragte in seiner Ansprache die häufige Botschaft in den Nachrichten, den Deutschen gehe es so gut wie nie zuvor.  Er meinte, dass sind Durchschnittswerte, die die Wirklichkeit stark verzehren.

    Die gewerkschaftsnahe Hans Böckler Stiftung konnte nachweisen, dass es in Deutschland ein starkes auseinander Triften zwischen arm und reich gibt. Die Stiftung stellte fest, dass den reichsten 10% der deutschen Bevölkerung über 60% des Volksvermögens gehören und die anderen 90% der Bevölkerung, teilen sich den Rest.

    Die Gewerkschaften fordern daher die Wiedereinführung der Vermögenssteuer für Reiche.

    Er wies auch auf das Problem der Steuervermeidung und Steuerflucht hin. Die EU, so wird geschätzt, verliert jährlich 50 bis 70 Milliarden Euro durch „aggressive Steuervermeidung“.

    Auf der anderen Seite dreht sich die wirtschaftliche Situation der arbeitenden Bevölkerung ins Negative. Die Normalarbeitsverhältnisse nehmen ab und die sogenannten atypischen Arbeitsverhältnisse sind in Bayern bereits bei 40% angelangt. In Abgrenzung zum sogenannten Normalarbeitsverhältnis (unbefristet, sozialversicherungspflichtige Vollzeit) sind hier vor allem Teilzeitstellen, Leiharbeit, befristete Arbeitsverhältnisse und Minijobs erfasst.

    Daraus kann prekäre Beschäftigung entstehen; zu wenig Lohn, keine soziale Absicherung und die Zukunft ist ungewiss. Von den über 2,3 Millionen atypischen Beschäftigungsverhältnissen in Bayern entfallen mehr als 1,7 Millionen auf Frauen.

    Jubilarehrung 2019 des Ortsverein Regensburg ver.di Jubilarehrung 2019 des Ortsverein Regensburg  – Unsere Jubilare

    Eine der wesentlichen Ursachen dieser Entwicklung sieht Kronschnabl in der sinkenden Tarifbindung der Arbeitgeber. Während in Österreich diese bei 98% liegt ist sie in der Oberpfalz bei 61%.  Und das ist auch noch der beste Wert in Bayern. In Unterfranken als Schlusslicht liegt sie bei nur 44%. Auch in Bayern lag die Tarifbindung früher deutlich höher aber seit den 90ern geht sie kontinuierlich zurück.                                                       

    Kronschnabl sagte, die Tarifbindung sei sehr wichtig, da diese über die ganze Branche greift und somit als Untergrenze für die Brache gilt. Diese ist meist besser als der jetzige Mindestlohn. Aber diese Tarifbindung wurde systematisch ausgehöhlt.

    Arbeitgeber sind aus ihren Verbänden ausgetreten und hielten sich nicht mehr daran. Viele Firmen haben sich auf das sogenannte Kerngeschäft fokussiert und alles andere ausgegliedert. Subunternehmen und Subsubunternehmen wurden eingekauft, die eigenen Leute entlassen.

    Kronschnabl hebt aber auch positiv hervor, die ver.di schafft es dank ihrer guten Organisation und der Streikbereitschaft der Mitglieder weiterhin gute Tarifverträge zu erkämpfen. Ver.di ist immerhin für die Regelungen von über 1000 Berufen verantwortlich.

    Da der Mindestlohn und die gesetzliche Rente auf Basis der neu abgeschlossenen Tarifverträge angepasst wird, hat ver.di mit der Durchsetzung von höheren Löhnen auch diesen Menschen indirekt das Einkommen erhöht.

    Er sieht aber Fehler bei der Politik. Hauptursachen für diese negative Entwicklung ist für ihn die neoliberale Wirtschaftspolitik.

    Schon die rot-grüne Regierung unter Gerhard Schröder hat hier mit der Agenda 2010 und den sogenannten  Hartz-Gesetzen die Weichen gestellt. Die CDU/CSU mit der FDP und die folgenden Großen Koalitionen führten diese Politik dann weiter. Das sich die SPD von dieser Politik verabschieden will, begrüßt Kronschnabl ausdrücklich.

    In der AfD sah Kronschnabl keine Alternative für die Beschäftigten, da sie in neoliberaler Manier Steuersenkungen für Reiche, weitere Privatisierungen und den Sozialabbau im Programm hat. Außerdem spaltet sie die Gesellschaft durch Hasspropaganda.

    Die Jubilarrednerin Irene Salberg, ehemalige stellvertretende Bezirksgeschäftsführerin von ver.di Oberpfalz, blickte in ihrer Rede zurück auf die Jahre, als die Jubilare und Jubilarinnen Gewerkschaftsmitglied wurden.

    Vor 70 Jahren schworen sich die Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen der ersten Stunde “nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg”. Bereits 1948 kämpften 9 Millionen Arbeitnehmer/Innen im 1. Generalstreik der neuen Republik gegen Preissteigerung bei gleichzeitigem Lohnstopp. “schon damals bezogen die Arbeitgeber ihren “Herr im Haus – Standpunkt” “, so Salberg.

    In den 60er Jahren waren bereits Automatisierung mit daraus resultierender Rationalisierung, aber auch Bildungsnotstand, Notstandsgesetze und Vietnamkrieg dominierende Themen. Ab Mitte der 70er Jahre besserte sich das soziale Klima, sicherlich hatte Willi Brandt einen Anteil daran.

    Die Gewerkschaften hatten damals immensen Zulauf. Erkämpft wurde z.B. der Einstieg in das 13. Monatsgehalt und die Verlängerung des Urlaubs. Als dann auch für Arbeitszeitverkürzung gestreikt wurde, reagierten die Arbeitgeber erstmals mit Aussperrung. Trotz aller Widrigkeiten ging der Kampf der Arbeiter/Innen weiter bis zur Tarifierung verkürzter Arbeitszeit.

    Viele Kolleg/Innen protestierten gegen den Bau der WAA in Wackersdorf, da sie deren Gefährlichkeit erkannten. Salberg ging schließlich auf die Kämpfe, oftmals Streiks der Arbeitnehmer/Innen um bessere Löhne und Arbeitsbedingungen der letzten 70 Jahren ein.

    Verfasst von Ottmar Kronschnabl aus Köfering am 11.10.2019