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    Mehr agieren, als nur reagieren

    Ortsvereins Stiftland

    Mehr agieren, als nur reagieren

    Petr Arnican sprach bei Aschermittwochskundgebung von ver.di Stiftland – Gewerkschaften leisten wertvollen Dienst an der Demokratie

    Tirschenreuth. (jr) Einen Wunsch teilte Petr Arnican, Abteilungsleiter grenzüberschreitende Beziehungen des DGB Bayern, gleich eingangs seiner Rede im Gasthof „Zur Alm“ mit, „wir als Gewerkschaften müssen wieder mehr agieren, als nur reagieren“. Verdi Stiftland hatte zur traditionellen Aschermittwochskundgebung eingeladen. Ortsvorsitzender Fritz Rüth freute sich über den Besuch zahlreicher Gewerkschaftler.

    Eröffnet wurde der Abend mit der Vorstellung von Gabi Grümmer und Gunar Prauschke, beide bewerben sich um einen Sitz im Marktrat Wiesau und Stadtrat Tirschenreuth. DGB-Kreisvorsitzender Klaus Schuster bat die Mitglieder um weiteres Engagement in gewerkschaftlichen Fragen. Manfred Haberzeth freute die Tradition von Verdi, dass sie die Aschenmittwochskundgebungen beibehalten. Er nannte es wichtig, dass sich die Gewerkschaften in der Kommunalpolitik einmischen. Bezüglich der Kliniken AG monierte Haberzeth einmal mehr, dass es nicht sein kann, dass unterste Einkommensschichten den größten Anteil am Defizit zu tragen haben. Weiter beklagte er viel betriebsratsfreien Raum in großen Unternehmen. Denn eines ist klar, geringe Löhne bedeuten auch niedrige Renten.

    Mehr agieren, als nur reagieren Josef Rosner Mehr agieren, als nur reagieren  – Petr Arnican sprach beim Politischen Aschermittwoch von Verdi Stiftland und ging dabei auf die aktuelle politische Situation in Deutschland, Europa und der Welt ein. Dabei wünschte er sich, dass die Gewerkschaften wieder mehr agieren, als nur reagieren.

    Petr Arnican nahm seine Zuhörer mit auf eine kleine Weltreise. Erstes Thema war der Wahlkampf in den USA. Arnican prophezeite, dass die Wahlen große Auswirkungen auf Europa haben werden. „Für mich missbraucht Donald Trump seine Macht für seine Ziel“, sagte Arnican und erwähnte unter anderem den Handelskrieg mit Europa und der Einführung von Zöllen. Arnican war sich sicher, dass die USA nicht mehr der verlässliche Partner von einst ist. „Ich wünsche den Amerikanern eine glückliche Hand bei den Wahlen“, sagte er vielsagend. Weiteres Thema war Europa und hier der Brexit, hier seien noch viele Fragen offen, die geklärt werden müssen. Boris Johnson will in Großbritannien die Presse an die kurze Leine legen, ähnlich wie die AfD bei uns in Deutschland, sagte Arnican. Kritik übte der Sprecher an Deutschland, weil hier Bestrebungen im Gange sind, die Arbeitszeiten zu verlängern. Dies nannte er nicht zielführend. Freuen könne er sich dagegen wegen der Einführung der Grundrente. Die Zukunft der Alterssicherung nannte er wichtig, Verbesserungen seien hier unumgänglich. Arnican bedauerte, dass die Renten nach wie vor geringer steigen als die Löhne. Auch das heute länger gearbeitet werden muss, um eine Rente zu erhalten, kritisierte. Große Teil der Politik und der Unternehmer wollen doch nur eines, dass die Leute solange wie möglich im Arbeitsleben bleiben, am besten länger als bisher,. Arnican wusste, dass heute 100 Erwerbstätigen 31 Rentner gegenüberstehen, in zwanzig Jahren stehen den Erwerbstätigen dann schon 49 Rentner gegenüber. Petr Arnican weiter, „früher hieß es, wann kann ich in Rente gehen, heute heißt es, wann darf ich in Rente gehen“. Weiter forderte er eine Erhöhung der Renten auf 50 Prozent plus X vom ehemaligen Lohn. Bezüglich der Klimapolitik forderte er, dass Europa Vorreiter sein muss. Bis 2050 soll Europa klimaneutral sein, so sein Wunsch. Gleichzeitig machte er aber deutlich, dass das Klima keine Grenzen kennt. Auch die USA und China müssen da mitmachen. China baut ständig neue Kohlekraftwerke und wir schließen sie, was soll das bringen, fragte Arnican. Gefordert seien Deutschland und Frankreich ihre Positionen in Sachen Klima abzustimmen. Weiteres Thema war der Soziale Wohnungsbau in Bayern, seit 1988 verliert Bayern kontinuierlich Sozialwohnungen. Wichtig ist bezahlbarer Wohnraum, wobei der Bedarf an Sozialwohnungen sehr hoch sei. Sozialen Wohnraum zu verwirklichen sah er als eine der Hauptaufgaben an. Dagegen verurteilte er das Bau-Kindergeld, dass in Ballungszentren rein gar nichts bringe. Abschließendes Thema waren die Tariflöhne, die in den vergangenen Jahren stetig gestiegen sind, dank des Einsatzes der Gewerkschaften. Arnican forderte abschließend solidarisches Handeln der Arbeitnehmer und der Gewerkschaften, „das ist kein Luxus, sondern für uns alle existenziell“. Nicht nur deshalb leiten Gewerkschaften einen wichtigen Beitrag für eine funktionierende Demokratie. Verdi-Vorsitzender Fritz Rüth und seine Stellvertreterin Gabi Grümmer dankten dem Referenten mit einem flüssigen Gruß.

    Bericht von Josef Rosner